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Ingenieure sind zu nett und zu bescheiden! "Sich verkaufen" wird schon fast verteufelt! Ingenieure geben sich mit einem Honorar von unter 100.- zufrieden und haben schon fast ein schlechtes Gewissen!

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Kategorien Gastartikel

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Kommentar

  • Kommentiert von Daniel Löhr von vor 7 Monate

    Zu nett und zu bescheiden
    Ingenieure verkaufen ihre Arbeitsleistung unter Wert. Das hat grosse Konsequenzen – für sie selber, aber auch für Unternehmen und Branchen.
    Interview Von Manuela Specker
    Als Marc Schenk vor Jahren noch als Einkaufsleiter tätig war und es darum ging, Lieferantenverträge auszuhandeln, schloss er jeweils aus guten Grün– den gewisse Ingenieure von diesen Verhandlungen aus. Denn Verhandeln hat gelegentlich mit Bluffen und Übertrei– ben zu tun – und das ist nicht eben die Stärke vieler tech- nisch begabter Tüftler. «Sie sind voller Enthusiasmus für
    ihre Arbeit, können sich oder ihren Arbeitgeber aber oft nur schlecht vermarkten», sagt Marc Schenk.
    Der an der ETH ausgebildete Betriebs- und Produktionsinge– nieur ist heute mit seiner eigenen Firma in der Direktsuche von Fach- und Führungskräften tätig. Da er in einer Unter– nehmerfamilie aufgewachsen ist, war für ihn betriebswirt-
    schaftliches und unternehmerisches Denken nie ein Fremd– wort. Das lässt sich von vielen anderen Ingenieuren, die zum Fachkader gehören – Spezialisten ohne Führungsfunktion
    – nicht behaupten. «Sie sind oft nicht besonders karriere- orientiert», beobachtet Marc Schenk.
    «Sich verkaufen» wird schon fast verteufelt
    Auch Daniel Löhr, Ehemalige Vizepräsident des Berufsverbandes Swiss Engineering, stellt fest, dass klassische Karrierehal– tungen wie «sich verkaufen» oft schon fast verteufelt wer- den. Eine solche falsche Bescheidenheit habe Konsequenzen, die weit über das Individuum hinausgehen. So ergreifen manche den Beruf aufgrund der vergleichweise unattraktiven Lohnstrukturen gar nicht erst (siehe Kasten). Jene Ingenieure, die sowohl technisches wie auch betriebswirt- schaftliches Verständnis mitbringen, kehren dem Beruf früher oder später den Rücken. So gesehen, ist der viel- beschworene Ingenieurmangel bis zu einem gewissen Grad auch hausgemacht. Gerade deshalb setzt sich Daniel Löhr so vehement dafür ein, dass Ingenieure ein Bewusstsein für den Wert ihrer Arbeitsleistung entwickeln.
    Die De zite zeigen sich insbesondere in der Tatsache, dass es Ingenieure besonders schwer haben, mit einer eigenen
    Firma Fuss zu fassen. Viele Einzelunternehmen bieten Leistungen im Stundenansatz an. «Sie lassen sich dabei zu schnell sagen, dass ihr ursprünglich geforderter Ansatz zu hoch sei. So geben sie sich am Ende mit 100 Franken pro Stunde zufrieden und haben für ihre ursprüngliche Forde– rung fast ein schlechtes Gewissen», sagt Daniel Löhr. Es sei zwar lobenswert, dass sich viele Ingenieure nicht über den Lohn de nierten, doch zugleich schade es dem Gesamt- interesse der Branche.
    Die Unternehmen haben das Problem erkannt
    Immerhin sind jene Ingenieure, die sich für eine Fachkarrie– re in einem Unternehmen entschieden haben, bezüglich Lohn und Wertschätzung nicht mehr automatisch gegenüber jenen mit einer Führungsfunktion benachteiligt. «Die Fachkarrieren wurden in den Unternehmen stark aufgewer- tet», beobachtet Toni Schmid, Geschäftsführer von FH Schweiz, dem Dachverband der Fachhochschulabsolventen. «Die Firmen haben erkannt, dass sie nur so die Ingenieure langfristig halten können.» Daniel Löhr emp ehlt ihnen, die Ingenieure zusätzlich zu einem gesamtheitlichen Denken anzuregen und konkret aufzuzeigen, welchen Beitrag sie zur Produktivitäts- und Wertsteigerung des Unternehmens erbringen.
    Ein Ingenieur, der eine solche Sichtweise auf seine Arbeit entwickelt, wird sich auch besser vermarkten können. Spätestens nach fünf Jahren im Ingenieurberuf ist es laut Löhr angebracht, sich zusätzliche Kenntnisse in MarketingProduktemanagement oder ganz einfach Verhandlungsge– schick anzueignen, sei dies nun über projektorientierte Lehrveranstaltungen, über Einzelkurse oder Nachdiplom– studiengänge. Ingenieure, die ins Management wechseln, holen allfällige Lücken sowieso mit einer betriebswirtschaft- lichen Weiterbildung oder gleich mit einem MBA nach.
    Marktorientiertes Denken wird wichtiger
    Der gegenwärtige Ingenieurmangel darf nicht darüber hin- wegtäuschen, dass mit technischer Brillanz allein nicht aus- gesorgt ist. Gerade ältere Ingenieure könnten es schwer haben, eine neue Stelle zu nden. In der Schweiz ist der Anteil der über 55-Jährigen mit 21,6 Prozent deutlich über dem europäischen Durchschnitt von 15,1 Prozent, wie eine Studie der Verbände Economiesuisse und Swiss Engineering aus dem Jahr 2011 zeigt. «Angesichts der veränderten Anfor– derungen an Ingenieure wird marktorientiertes Denken in Zukunft noch wichtiger», so Daniel Löhr. Gefragt ist nicht mehr der einsame Tüftler, sondern jener, der interdisziplinär denkt, der sich in anderen Kulturräumen bewegen und Technologietransfers begleiten kann und der weiss, welche Auswirkungen sein Produkt auf die Gesellschaft hat.
    Eine ganzheitliche Betrachtungsweise der eigenen Arbeit
    ist nicht zuletzt im ureigensten Interesse. Die beste Entwick– lung ist nutzlos, wenn ihr Nutzen nicht vermarktet werden kann. Der Headhunter Marc Schenk berichtet von einem Ingenieur, dessen Entwicklung der Firmeninhaber nur zufäl- lig auf Nachfragen hin zu Gesicht bekam. Am nächsten Tag ging der Chef damit gleich zum Patentanwalt. Die Er ndung, die der Ingenieur in seiner Schublade gehortet hatte, mauserte sich zu einem weltweiten Standard im Bereich
    der Tastatursysteme.

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